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20. NOV. 2007, "Der Bund", Michell Ziegler

HÖHEPUNKT

(...) "Den musikalischen Höhepunkt des Programms bildet Maurice Ravels Sonate für Violine und Violoncello. Rachel Kolly d’Alba und Matthias Schranz gehen das spieltechnisch heikle Werk mit Temperament und Charakter an, ohne dass die technische Präzision darunter leidet. Dabei gelingt auch das Ineinanderfliessen von Musik und Wort, die sich hier in kürzeren Abständen abwechseln. Es scheint, als beschrieben Baudelaires Worte die Musik Maurice Ravels.

"Der Bund", Michelle Ziegler, 20.11. 2007


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ganz:

Ein lyrisch-musikalisches Programm im Zentrum Paul Klee:Der Schauspieler Jean-Luc Bideau und das Ensemble Paul Klee

Musikalisches Sprechen

Mit Jean-Luc Bideau gastierte ein renommierter Schweizer Schauspieler im Zentrum Paul Klee. Die Persönlichkeit des Stars prägte den Konzertabend mit dem Ensemble Paul Klee.

Wenn dieser Mann spricht, erklingt Musik aus seinem Mund. Jean-Luc Bideau kennt die Facetten des Sprechens und vermag ihnen in seiner Rezitation Konturen zu geben. Die Silben schimmern in der mittleren Tonlage unaufdringlich, im Bassbereich steigern sie sich im Volumen und schaffen einen Klang, der an Stimmen grosser Sänger erinnert. Bideau gestaltet auch den Sprechfluss abwechslungsreich. Staccato-Passagen stehen den gedehnten Silben gemächlich fliessender Momente gegenüber. Konsonanten versehen weiche Phrasen mit Akzenten, indem Bideau eine scharfe Deklamation wählt. Die Dichte der Akzente schafft Abwechslung. Der Musik von Bideaus Sprache zuzuhören, erweist sich als Genuss besonderer Güte.

Verschiedene Erzählerrollen

Jean-Luc Bideaus Rezitation steht im Zentrum des Konzertes mit dem Ensemble Paul Klee. Das Programm des leider nicht optimal besuchten Konzertabends ist von seiner Gattin Marcela Salivarova Bideau konzipiert worden. Der Star des Schweizer Filmes der Siebzigerjahre liest darin Gedichte und Texte von Charles Baudelaire, die sich mit musikalischen Einlagen abwechseln. Die Vielfalt der Lesungen gibt eine Kostprobe davon, welche Gesichter Bideaus charismatische Persönlichkeit annehmen kann.

Bideau fasziniert im Zentrum Paul Klee zunächst durch seine Ausstrahlung, derer sich die Zuhörer kaum entziehen können. Die Aura des grossen Mannes umgibt den Schauspieler. Sie wirkt an Bideau so gar nicht grossspurig, im Gegenteil eher bescheiden. Denn sein Talent zeigt sich in der Lesung. Am Anfang des Programms stehen Baudelaires süssliche Gedichte, die Bideau zwar schwelgend, doch immer geschmackvoll rezitiert. Dabei wird die Aufmerksamkeit auf die Musikalität seines Sprechens gelenkt.

Die Rezitation eröffnet aber auch andere Gesichter des Schauspielers. In den Auszügen aus «Mon cœur mis à nu» versteckt sich Ironie, wenn er mit Baudelaire die Künstler auf die Schippe nimmt. Schliesslich stülpt er sich das Gewand des dramatischen Erzählers über und liest Baudelaires Übersetzung von Edgar Allan Poes «The Masque of the Red Death». Gezielt baut er die Spannung der grausamen Geschichte eines Maskenballs auf, der in einem Blutbad endet.

Musik auf hohem Niveau

Dieselbe Haltung übernimmt das Ensemble Paul Klee in André Caplets Werk, das die Geschichte vertont. Die Musiker um die Harfenspielerin Nathalie Chatelain dosieren den Spannungsaufbau ebenfalls gekonnt. Hier wie auch in Claude Debussys Triosonate für Flöte, Viola und Harfe überzeugt das Ensemble in Klang und musikalischer Gestaltung. Etwas verhalten, aber in der Stimmführung konzis erklingt Debussys Prélude «Les sons et les parfums tournent dans l’air du soir», interpretiert von der Pianistin Eva Aroutunian.

Den musikalischen Höhepunkt des Programms bildet Maurice Ravels Sonate für Violine und Violoncello. Rachel Kolly d’Alba und Matthias Schranz gehen das spieltechnisch heikle Werk mit Temperament und Charakter an, ohne dass die technische Präzision darunter leidet. Dabei gelingt auch das Ineinanderfliessen von Musik und Wort, die sich hier in kürzeren Abständen abwechseln. Es scheint, als beschrieben Baudelaires Worte die Musik Maurice Ravels.

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